Adrian Niemko
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Adrian Niemko
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Was bedeutet schneelast beim carport?

Die Schneelast eines Carports ist ein entscheidender Sicherheitsfaktor, der angibt, wie viel Schneegewicht das Dach pro Quadratmeter (m²) tragen kann, ohne seine Stabilität zu gefährden. Der Wert basiert auf einer statischen Berechnung, die selbst für Extremwetterlagen wie langanhaltende, starke Schneefälle ausgelegt ist.

Angegeben wird die Belastung in Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²), damit Ihr Carport auch schwerem Nassschnee oder dicken Eisschichten standhält. Ein typischer Wert für viele Regionen Deutschlands liegt bei 87 kg/m², doch die standortgenaue Auslegung ist entscheidend für Langlebigkeit und Sicherheit.

Wie wird die schneelast für carports berechnet?

Die Ermittlung der erforderlichen Schneelast ist ein präziser, standardisierter Prozess. Grundlage dafür ist die europaweit gültige Norm DIN EN 1991-1-3, ergänzt durch einen nationalen Anhang für Deutschland. Diese Norm stellt sicher, dass jede Konstruktion den spezifischen lokalen Wetterbedingungen standhält.

Für die exakte Berechnung werden mehrere standort- und bauwerksbezogene Faktoren herangezogen:

  • Schneelastzone: Deutschland ist in Zonen mit unterschiedlichen zu erwartenden Schneemengen unterteilt.
  • Geländehöhe: die Höhe über dem Meeresspiegel beeinflusst die Schneemenge maßgeblich – je höher der Standort, desto höher die Last.
  • Dachform und Dachneigung: ein Flachdach muss eine höhere Schneelast tragen als ein geneigtes Dach, von dem Schnee leichter abrutschen kann.

Aus diesen Parametern wird der charakteristische Wert (sk) ermittelt, der die für die Statik des Carports maßgebliche Schneelast definiert.

Einheiten und umrechnung kN/m² zu kg/m²

Die Schneelast wird technisch in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²) angegeben, der offiziellen Einheit in der Baustatik. Für Laien ist jedoch die Angabe in Kilogramm pro Quadratmeter (kg/m²) deutlich verständlicher.

Faustregel: 1 kN/m² entspricht etwa 100 kg/m². Ein Carport mit einer Schneelast von 0,85 kN/m² trägt demnach rund 85 kg Schnee pro Quadratmeter. Mit dieser Umrechnung lassen sich die Herstellerangaben leicht nachvollziehen.

Welche schneelast braucht mein carport?

Die erforderliche Schneelast für Ihren Carport hängt direkt von Ihrem Wohnort ab. In den meisten flachen Regionen Deutschlands ist eine Traglast von ca. 87 kg/m² (0,87 kN/m²) ausreichend, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.

Wichtig: Während frischer Pulverschnee leicht ist, kann nasser oder vereister Schnee ein enormes Gewicht entwickeln von bis zu 900 kg pro Kubikmeter. Ein scheinbar harmloser Schneefall kann so die Belastungsgrenze eines unzureichend dimensionierten Carports schnell überschreiten.

Daher sollten Sie unbedingt den exakten Wert für Ihr Grundstück. Während Standardmodelle oft ausreichen, sind in schneereichen Gebieten wie den Alpen spezielle, verstärkte Carports erforderlich. Diese tragen Lasten von 3,00 kN/m² (ca. 300 kg/m²) und mehr und bieten so die nötigen Sicherheitsreserven.

Carports mit hoher schneelast

Sobald Sie die erforderliche Schneelast für Ihren Standort kennen, beginnt die Suche nach dem passenden Modell. Die Tragfähigkeit wird dabei von Faktoren wie Material (Holz, Aluminium, Stahl), Dachform, Neigung und der gesamten Bauweise bestimmt. Hersteller bieten hierfür Modelle in verschiedenen Belastungsklassen an.

Modelle bis 150 kg/m²

Carports dieser Belastungsklasse sind für einen Großteil Deutschlands die richtige Wahl. Mit einer Tragfähigkeit von bis zu 150 kg/m² (entspricht 1,5 kN/m²) decken sie die Anforderungen der Schneelastzonen 1 und 2 souverän ab.

Typischerweise sind dies leichtere Konstruktionen aus Aluminium oder Holz, die als Einzel- oder Doppelcarport erhältlich sind. Sie stellen eine wirtschaftliche Lösung dar, die Stabilität, Optik und Kosten optimal vereint.

Modelle 150 - 300 kg/m²

Für Standorte in höheren Lagen oder Schneelastzonen wie 2a und 3 sind Carports mit 150 bis 300 kg/m² (1,5 bis 3,0 kN/m²) Tragfähigkeit unverzichtbar. Diese Modelle sind für Regionen mit regelmäßig starkem Schneefall konzipiert und bieten eine deutlich höhere Sicherheitsreserve.

Diese Carports zeichnen sich durch eine massivere Bauweise aus: stärkere Profile, engere Sparrenabstände und robustere Verbindungen sind hier Standard. Viele Hersteller bieten zudem konfigurierbare Systeme an, bei denen die Schneelast gezielt an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden kann, oft bis zu 300 kg/m².

Modelle über 300 kg/m²

Carports mit über 300 kg/m² (3,0 kN/m²) Schneelast sind für extreme Bedingungen in hochalpinen Lagen (Zone 3) konzipiert. Sie bieten enorme Sicherheitsreserven, um selbst extremen Schneemengen und zusätzlichen Lasten wie Photovoltaikanlagen standzuhalten.

Diese hohe Tragfähigkeit erfordert massiv dimensionierte Träger, Pfosten und hochbelastbare Verbindungen. Die Statik wird nach den oberen Grenzwerten der DIN EN 1991-1-3 ausgelegt, oft im Rahmen individuell geplanter Konstruktionen, die exakt auf den Standort zugeschnitten sind.

Schneelast carport erhöhen

Reicht die Schneelast Ihres Carports nicht aus, etwa für eine geplante Photovoltaikanlage, ist eine Nachrüstung oft möglich, erfordert jedoch eine professionelle statische Planung.

Viele Hersteller bieten hierfür spezielle Nachrüst-Sets an. Wichtig: Klären Sie vorab mit dem Hersteller oder einem Statiker, ob Ihr Carport-Modell für eine Aufrüstung geeignet ist, da dies nicht immer möglich ist.

Typische Verstärkungsmaßnahmen sind:

  • Verstärkung der Dachkonstruktion: Einbau zusätzlicher oder stärkerer Dachsparren und Pfetten.
  • stärkere Pfosten und Verbindungen: Austausch der vorhandenen Pfosten gegen massivere Varianten und Optimierung der Verbindungen.

Wann muss das carportdach geräumt werden?

Räumen Sie das Dach rechtzeitig – also bevor die maximale Schneelast erreicht ist, sobald sich die Schneemenge dem Grenzwert (z. B. 75, 100 oder 150 kg/m²) nähert. Besondere Vorsicht ist bei nassem oder vereistem Schnee geboten, da dessen hohes Gewicht die Belastungsgrenze schnell erreichen kann.

Achten Sie auf folgende Warnsignale einer kritischen Belastung:

  • Durchbiegung: Dachelemente oder Träger biegen sich sichtlich durch.
  • Geräusche: die Konstruktion knarrt oder knackt.
  • Verformungen: Pfosten neigen sich oder verziehen sich.
  • Risse: an Trägern oder Verbindungsstellen entstehen Risse.

Bei einem dieser Alarmsignale besteht akute Einsturzgefahr! Der Schnee muss dann umgehend entfernt werden. Gehen Sie dabei großflächig und gleichmäßig vor, um gefährliche Punktlasten zu vermeiden, und räumen Sie aus Sicherheitsgründen immer vom Boden aus.

Sichere räumung ohne schäden

Um Schäden wie Kratzer oder Undichtigkeiten zu vermeiden, verwenden Sie das richtige Werkzeug. Ideal sind Teleskop-Schneeschieber mit einer weichen Kunststoffkante, mit denen Sie sicher vom Boden aus arbeiten und die Dachoberfläche schonen können.

Wichtigste Regel: Betreten Sie niemals das Dach! das birgt Absturzgefahr und erzeugt eine extreme Punktlast, die die Statik gefährdet. Arbeiten Sie stattdessen systematisch vom Boden aus: Schieben Sie den Schnee gleichmäßig von oben nach unten und von der Mitte zu den Rändern, um eine einseitige Belastung zu vermeiden.

Seien Sie bei Eis besonders vorsichtig. Entfernen Sie festgefrorene Schichten niemals mit Gewalt oder harten Werkzeugen wie einem Eispickel, da dies die Dachabdichtung unweigerlich beschädigen würde. Belassen Sie lieber eine dünne Eisschicht und warten Sie auf Tauwetter, um teure Folgeschäden zu vermeiden.